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Bingen am Rhein und der Mündung der NOVA (Nahe) war schon immer ein wichtiger Platz. Bingen war immer wichtiger, als auf Grund seiner Größe zu vermuten war.
In römischer Zeit war es bereits Garnisons Standort. 3-5 Kohorten (Kompanien) waren stationiert. Bingen lag an wichtigen römischen Straßenverbindungen Trier, Mainz, Kreuznach. An der Straße nach Kreuznach und in Kreuznach lagen römische Höfe und Villen (Villa Rustika). Im Bad Kreuznacher Römer Museum sind die schönsten und größten Mosaikböden nördlich der Alpen zu bewundern. An der Straße nach Mainz, aber auch in Bingen und Bingerbrück wurden viele Grabsteine mit Inschriften gefunden. Aus solchen Funden und Inschriften stammt unser Wissen um die damalige Zeit.
Wie wichtig Bingen als Hafen und Handelsplatz war, beweisen noch heute die häufige Bezeichnung Binger Straße, Binger Weg in den Dörfern und Städten auch der weiteren Umgebung. Der Binger Weg war immer ein Weg, eine Straße die nicht durch Hochwasser gefährdet und damit immer passierbar war. Langenlonsheim hatte bis 1971 eine Binger Straße, die umbenannt wurde in Naheweinstraße. Seit wenigen Jahren haben wir wieder eine Bingerstraße (die neue Umgehungsstraße). Historisch passt es auch, da dort der Nahedamm kein Hochwasser mehr aufkommen lässt.
Von Bingen aus wurden schon vor Jahrhunderten Weine in die Welt verschifft. Obwohl manchmal Bacharach bevorzugt wurde, um die Stromschnellen im Binger Loch zu umgehen. In der Zeit des boomenden Exportes von Feuerwein wird sogar von Schleusen und der Schiffbarmachung der Nahe berichtet. Bingen die Stadt der Winzer, Weinhändler, der Weinbrennereien und Sekthersteller, war früher von größter Bedeutung. Die Weine vom Scharlachberg zählten zu den bekanntesten, besten und teuersten in der Welt (nachstehendes Foto zeigt den Scharlachberg etwa Anfang des 20. Jahrhunderts).
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Nicht zuletzt trägt den Namen der Stadt eine Frau die um 1150 von der Nahe, genauer vom Disibodenberg kommend, sich auf dem Ruppertsberg niederließ, Hildegard von Bingen, zu Bekanntheit von Bingen bei. Hildegard von Bingen war der Wein nicht fremd, sie schreibt z.B. „Ein Wein von der Rebe, wenn er rein ist, macht dem Trinker das Blut gut und gesund. Sie erstellte mehr als 30 Kräuter-Rezepte mit Wein. (Wein machte diese Mischungen erst haltbar).
Vom Feuerwein, dem gesottenen Wein und den Feuerkellern: Über mehr als 3 Jahrhunderte wurde in Bingen aber auch in Bacharach der sogenannte VINUM COCTUM verschifft. Ein mit Wärme und Feuer veredelter Wein.
Erste Hinweise auf die Wärmebehandlung von Wein, datieren um 1400 vor Christi, im damalig hochentwickelten Ägypten. Im alten Rom wurde diese Weinveredlung mit Wärme, Feuer und der Zusatz von Honig und Kräutern perfektioniert.
Mit dem Ende der Römerherrschaft in Germanien ging dieses Wissen bei den sogenannten Barbaren vergessen und verloren. Erst wieder unter Karl dem Großen wurde der Weinbau und die Weinqualität wieder gefördert. Auf den Pfalzen (die nächste ist in Ingelheim) Kaiser Karl des Großen, gehörte der mit Feuer veredelte Wein zu den steten Vorräten.
Im ältesten Ratsbuch von Kreuznach, wird 1524 von Feuerkellern und dem Feuerwein berichtet. Um 1400 ist erstmals vom Feuerwein an Rhein berichtet. Ein Schwerpunkt war das Vier Täler Land (Bacharach, Manubach Rheindiebach, Oberdiebach. Aber auch an der Nahe wurde dies praktiziert, berichtet wird von Weinsheim 1601, Bosenheim 1614, Monzingen Münster (heute Münster-Sarmsheim), Langenlonsheim, Laubenheim und weiterer Dörfer.  Feuerkellern, es waren meist Gemeinschaftskeller der Zünfte. Eingebaute Nischen in bestehenden Weinkellern, kleine Gewölbe, die nur wenige Fässer fassten. Der Isolierung wegen, waren die Wände mit Lehm überzogen. Eine Vertiefung in der Erde war die Feuerstelle, dazu war ein Seilzug installiert um das Fass über der Feuerstelle heben und senken zu können. Alles war Aufgabe des sogenannten Feuermeisters. Nur ein erfahrener gewissenhafter Winzer / Küfer konnte diese Aufgabe erfüllen. Die benutzten Fässer waren besonders stark gebaut, die Dauben waren dicker, eiserne Reifen hielten das Fass zusammen. Der Inhalt betrug 4 Ohm (536 Ltr. heute ca. ein Halbstück.) Die Fässer wurden voll bewegt,Pumpen gab es noch keine, dies war immer Aufgabe der Weinschröter. Es gab die Zunft der Weinschröter. Immer wenn Wein transportiert wurde aus dem Keller, auf den Wagen, oder auf das Schiff waren sie zur Stelle. Starke Männer ausgerüstet mit einer Schrotleiter mit Schrotseilen und anderen Hilfsmitteln.
Der Feuerwein wurde nur aus frischem Most von guter Qualität hergestellt Der Most sollte von der rheinischen Malvasier Traube sein. Die Fässer wurden nach dem Pressen gefüllt, sie durften nie ganz voll sein. Nun schafften die Schröter das Fass in den Keller in die Feuerkammer und es wurde begonnen den Most zu erwärmen. Dies musste so geschehen, dass es dem Fass nicht zu heiß wurde, die Dauben konnten sonst bersten und auch Glut fangen.
Mit nassen Säcken, heben und senken des Fasses mit dem Seilzug wurde die Temperatur gesteuert. Der Feuermeister war Tag und Nacht tätig. Durch die Wärme fing der Most kräftig an zu gären, nach 3-4 Tagen fing er an zu kochen, es wallte und brodelte als wenn Wasser kocht, es war größte Vorsicht geboten. Um festzustellen, ob der Wein genug gefeuert ist, hielt der Feuermeister ein brennendes Schwefelholz über das Spundloch, ging es nicht aus, war der Prozess abgeschlossen. Damit war das Ziel erreicht, die Hefen waren abgetötet und somit die Gärung beendet.
Das Ergebnis: ein süßer spritziger durch die Verdunstung auch alkoholreicher Wein (an unseren heutigen Secco erinnernd, Sekt war noch nicht erfunden.)
Nach ein bis zwei Tagen Abkühlung im Feuerkeller kam der gefeuerte Wein zum Versand, er war nur begrenzt haltbar. Er ging fast ausschließlich in den Export nach Holland, England, Brabant, in die Städte der Hanse in Nordeuropa. Es war in diesen Ländern Mode geworden, den spritzigen süßen Wein zu Fisch zu trinken.
Fast über drei Jahrhunderte boomte der gefeuerte Wein vom Rhein, vom Jahr 1450 bis bald 1750. Sein Niedergang kam durch verschärfte Zoll und Steuergesetze, besonders am Rhein. Billige nachgemachte, von einfacher Qualität, überschwemmten den Markt. Auch wurden vermehrt Süßweine, wie Samos, Portwein, aus südlichen Ländern eingeführt. Dazu erklärten die Mediziner den Feuerwein für ungesund.
Da war es bald vorbei mit dem guten Ruf des Feuerweines vom Rhein. 1806 wurde in Oberdiebach der letzte Feuerwein hergestellt.
Die Oberdiebacher waren es auch, die die Tradition wieder aufleben ließen. 1993 weihten sie wieder einen Feuerweinkeller ein, auch die Zunft der Weinschröter ließen die Oberdiebacher wieder aufleben. |
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